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Angedacht - Neugier

30. Juni 2017 11:00 von Manuel Bendig | Kategorie: NRW

Foto: Manuel Bendig

Gedanken zu einem 'besonderen' Brief

In meinem Briefkasten liegt in einem Stapel von Zeitung, Werbung und der üblichen Post ein Umschlag, der meine Aufmerksam auf sich zieht. Anders als die anderen Briefe liegt er in dem Stapel mit dem nach unten gewendeten Adressfenster.

Da sich auf der Rückseite kein Hinweis auf den Absender befindet, drehe ich den Umschlag um.

Voller Erwartung, nun mehr über den Absender und auch schon über den zu erwartenden Inhalt in Erfahrung bringen zu können, muss ich erstaunt feststellen, dass sich auch auf der Vorderseite weder ein Absender, noch eine Briefmarke und auch  keine Adressangaben befindet.

Beim Griff in Richtung Brieföffner, halte ich, noch bevor ich endgültig das Geheimnis des dubiosen Umschlags lüfte, inne.

Im Adressfeld ist statt meiner Anschrift nur eine silberglänzende Fläche zu sehen. Netter Versuch!, denke ich. Wieder so eine Masche der Werbefuzzis, mit der sie meine Neugier wecken, damit ich mich einem von diesen unzähligen Angeboten widme, die ich beim Anblick des Absenders sonst direkt in den Papiermüll geworfen hätte.

Die Werbefachleute haben es tatsächlich geschafft. Ich widme meine volle Aufmerksamkeit ihrer Werbesendung. Sie haben in mir etwas mobilisiert,  was ich als ‚neugieriger’ Mensch vorher nicht geahnt hätte. Mehr noch, ohne dass sie es ahnen oder wissen konnten, schafft es ihr Versuch, mich für ihr Angebot zu gewinnen, bis ins Internet.

Ich vermute mal, dass der geneigte Leser sich nun fragt, was es nun mit dem Angebot auf sich hatte. Leider kann ich diese Frage nicht beantworten. Das Ganze ist nunmehr eine Woche her und der Briefumschlag lag bis eben, nach wie vor ungeöffnet (was nicht leicht fiel), auf meinem Schreibtisch – inzwischen im Müll.

Stolz darüber, dass ich standhaft geblieben bin, wird mir allerdings klar, welche Macht derjenige besitzt, der es versteht meine Neugier zu wecken.

Da entdecke ich beim Bericht über den Sündenfall auf einmal eine ganz andere Perspektive. Nämlich die des Betroffenen, und nicht  die des auf die ‚Schuldigen’  hin ausgestreckten Zeigefingers.

Allen Lesern wünsche ich eine gesegnete Zeit mit dem Blick für das Wesentliche und der Kraft an der richtigen Stelle NEIN sagen zu können.

Manuel

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