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Angedacht - Perspektive

23. Juni 2017 11:15 von Manuel Bendig | Kategorie: Andachten, NRW

Foto: wikimedi.org

Von der Begegnung mit Gott

Gern sitzen sie mit ihren kleinen Scheren an Plätzen, an denen sich viele Menschen aufhalten. Ihre Kunst, in kürzester Zeit aus einem schwarzen Blatt Papier das Porträt ihres Gegenübers geradezu heraus zu zaubern, fasziniert immer wieder.

Ein Scherenschnitt kommt ohne Farbe, ohne gezeichnete Linien oder dergleichen aus. Und doch ist die Person, die Model stand unverkennbar zu erkennen. Dies gelingt aber nur dann, wenn der Scherenkünstler sein Model aus der richtigen Perspektive, dem Profil, betrachtet.

So oft gelingt es uns nicht, unser Gegenüber so zu erkennen wie es wirklich ist. Dann reimen wir uns unser Bild solange zurecht, bis wir der Meinung sind, dass es so, und nicht anders, der Realität entspricht. Würde ein Künstler des Scherenschnitts dies tun, würde er nur unzufriedene Kunden haben. Denn sie würden sich selbst nicht erkennen, geschweige denn von anderen erkannt werden.

Wenn Jesus den Menschen begegnete, dann nahm er immer die Position ein, die ihm das beste, realistische Bild von seinem Gegenüber zeigte. Manchmal waren das sehr ungewöhnliche, aber häufig ganz unspektakuläre Blickwinkel. Zachäus schaute er sich aus der Froschperspektive an, während er ihm später beim gemeinsamen Essen

begegnete. Diese Perspektive hat er öfter eingenommen, wenn er Menschen auf Augenhöhe begegnen wollte. Besonders dann, wenn er Ihnen helfen wollte, nutze Jesus diese Perspektive, die andere gerne übersahen, weil sie vielleicht nicht in ihr vorgefasstes Bild passte.

Manchmal kann man die Künstlern der Schere dabei beobachten, wie sie sich bei einem Profilbild nicht ganz so nah am Original orientieren. Da wird hier mal eine krumme Nase ‚geradegerückt‘, da wird von den Pausbacken etwas weggenommen. Als künstlerische Freiheit, oder freundliche Korrektur wird der Künstler dies dann später bezeichnen.

Welche Perspektive nimmst du ein, wenn es darum geht, andere Menschen zu verstehen, sie so  kennenzulernen, wie sie wirklich sind? Die voreingenommene, längst bekannte Perspektive, oder die freundliche Korrektur? Oder ist es das Porträt, das du meinst mit geschlossenen Augen erstellen zu können, weil du von deinem Gegenüber sowieso schon alles kennst und weißt?

In diesem Sinn wünsche ich allen Lesern eine Woche in der wir uns wieder einmal auf Jesus und sein Vorbild besinnen, indem wir bei unseren Begegnungen nach der besten, realistischen Perspektive suchen, um unser Gegenüber so zu sehen, wie Gott ihn sieht!

Eine gesegnete Zeit!

Manuel

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