News

Angedacht - Drei Fingergedanken

02. Juli 2016 18:00 von Manuel Bendig | Kategorie: Hansa, NIB, BW, NRW, Jugend, MRV

Foto: Petra Bork / pixelio.de

Stellen wir uns einmal den simpelsten Grund vor, der bei einem Fußballspiel durch den Schiedsrichter mittels Pfeifton zu einer Unterbrechung des Spiels führt. Das ist dann der Fall, wenn der Ball in seinem ganzen Umfang die Seitenlinie überschritten hat.

Unweigerlich zieht dieser Pfiff ein Szenarium der Schuldverschiebung nach sich. Unschuldig heben meist mehrere Spieler gleichzeitig den Arm. Nicht etwa, weil sie sich als der Spieler melden, der den Ball zuletzt berührt hat, und somit ein Einwurf durch die gegnerische Mannschaft erfolgen muss. Nein, ganz im Gegenteil. Es wird durch die Spieler signalisiert, dass sie, oder ihre Mannschaft, an dem Regelverstoß unschuldig sind.

Wo Menschen sich begegnen, ihnen Fehler unterlaufen, sind es von Kindesbeinen an stets die gleichen Mechanismen, die uns angeboren zu sein scheinen. Mechanismen wie Verdrängung, Vertuschung oder Verschiebung von Schuld.

Menschen atmen auf, wenn ein Schuldiger gefunden wurde. Wenn es einen Namen gibt, dem man die Schuld anheften kann. Ist ein Problem mit einen Namen, einer Person aus Fleisch und Blut verbunden, dann kann man es begrenzen, bestrafen und zu den Akten legen. Dann kann man endlich wieder aufatmen. So fällt es uns Menschen leichter, die Kraft des Vergessens oder manchmal sogar des Verdrängens zu nutzen.   

Für ein Problem oder eine Krise gibt es, wie fast überall im Leben, mindestens zwei Sichtweisen. Bevor wir uns also in die Gefahr begeben, ein Problem mit einem Namen zu belegen, was nichts anderes heißt, als mit dem Finger auf ihn zu zeigen, sollten wir uns dessen bewusst sein, dass wir im selben Moment, mit drei Fingern auf uns selbst zeigen.

In diesem Sinne wünsche ich dir eine Woche, in der du einerseits selbstkritisch mit dir selbst, und andererseits barmherzig mit deinem Gegenüber umgehst.

Eine gesegnete Zeit!

Manuel

teilen |

zurück zu News